BARF - Blick hinter die Kulissen

Können Blutuntersuchungen zeigen, ob mein Tier richtig ernährt wird? 

 

BARF geht auf den australischen Tierarzt Ian Billinghurst und sein Ernährungsmodell „Bone and Raw Food“ zurück. Die Abkürzung „BARF“ ist nicht geschützt und findet für diverse Begrifflichkeiten, wie z.B. „Biologically Appropriate Raw Food“, „Biologisch-artgerechtes rohes Futter“ oder „Born again Raw Feeders“ Verwendung. Die Rohfütterung soll im Gegensatz zu einer Ernährung mit kommerziellen Futtermitteln eine gesunde, natürliche und artgerechte Alternative darstellen. Sie orientiert sich dabei am Beuteschema der wilden Vorfahren von Hund und Katze. Bei der Beurteilung der BARF-Fütterung sollte berücksichtigt werden, dass die Domestizierung von Hund und Katze bereits vor mehreren Jahrtausenden (Hund ca. 10.000 - 33.000 v. Chr., Katze ca. 2.900 - 7.400 v.Chr.) begann. In dieser Zeit kam es durch evolutionsbiologische Prozesse zur genetischen Anpassung an die menschliche Nahrung. Derzeit existieren keine Langzeitstudien über die langfristigen Auswirkungen der Rohfütterung.

Vorteile

Transparenz bezüglich Herkunft und Inhalt der Futterkomponenten
  • bei eigener Herstellung gewährleistet
  • fraglich bei kommerziell erhältlichen Komplettpaketen (z.B. Online- oder Zoofachhandel)
Abwechslungsreiche und individuelle Rationsgestaltung
  • gute Akzeptanz
  • Spiel- und Spaßfaktor
  • bei Allergie/Unverträglichkeit spezifisch angepasste Ernährung möglich
  • geschmackliche Vorlieben finden Berücksichtigung
Geringere Nährstoffverluste

 

  • durch fehlende Hitzeeinwirkung
Verbesserte Zahngesundheit

 

  • infolge Benagen harter Anteile wie Knochen oder Trachea
  • gilt nur für nicht-gewolfte Produkte
Bessere Verdaulichkeit

 

  • dadurch ggf. geringere Kotmenge/bessere Kotbeschaffenheit

Nachteile/Risiken

Infektionsgefahr
  • je nach Studie enthielten 21 – 80 % der BARF-Komplettpakete sowie 30% der Kotproben gebarfter Hunde Salmonellen
  • 14 von 15 gefrorenen BARF-Menüs wiesen Keimgehalte oberhalb der für Lebensmittel geltenden Höchstmenge auf, obwohl die Hersteller teils mit „Lebensmittelqualität“ warben
  • potentielle Übertragung antibiotikaresistenter Keime (insbesondere bei Hühnerfleisch)
  • Gesundheitsrisiko durch für Menschen pathogene Bakterien, wie z.B. Campylobacter und E. coli inkl. EHEC-Gruppe (insbesondere für immunsupprimierte Personen, wie Kinder, Schwangere und chronisch Kranke)
  • Parasitenstadien von Toxoplasma gondii, Neospora caninum, Echinococcus spp., Taenia spp. und Sarcocystis spp. können auch nach unzureichendem Tiefkühlprozess infektiös bleiben
  • Aujezky (Suides Herpesvirus 1) assoziierte Todesfälle, insbesondere durch Rohfütterung von Wildschwein 
Fehlversorgung

 

  • 90% der Hundebesitzer*innen konsultierten zwecks Rationsberechnung keine Tierärzt*innen
  • Populärwissenschaftliche Informationen aus Internet oder Büchern liefern häufig mangelhafte oder irreführende und emotional beeinflusste Informationen
  • 60% der zur Untersuchung eingereichten BARF-Profile wiesen schwere Mängel in der Zusammensetzung auf
  • Etwa die Hälfte aller Rationen enthielten weniger Jod als der Mindestbedarf; gleiches konnte bei ¼ der Rationen für Vitamin A gezeigt werden
  • Zu hoher Proteingehalt kann Leber und Niere belasten
  • Unausgewogenes Calcium-Phosphat-Verhältnis kann zu sekundärem alimentären Hyperparathyreoidismus führen (Gefahr besonders groß für wachsende Hunde)
  • Risiko einer Thyreotoxikose durch Fütterung von Schlundfleisch (gilt auch für erhitzte Produkte)
  • toxische Substanzen in Gemüseflocken wie Knoblauch und Lauch (oxidative Schädigung der Erythrozyten), Avidin in Rohei (hemmt Biotinaufnahme) und Thiaminasen in Rohfisch (zerstören Thiamin)
  • Je nach Ration Mangel- oder Überschuss an Vitaminen und Mineralstoffen möglich
  • Nahrungsergänzungsmittel wie „Heilerden“ oder Kräutermischungen häufig mangelhaft deklariert
  • Gefahr von Obstipation, Ileus und Verletzungen durch Knochenfütterung
  • Kohlenhydratarme/-freie Ernährung insbesondere bei Hunden nicht artgerecht, da genetische Anpassung an stärkereiches Futter naturwissenschaftlich bewiesen.

 

Labordiagnostik

 

Aufgrund fehlender klinischer Symptomatik und guten Allgemeinbefindens können gravierende Mängel an Vitaminen und Spurenelementen über Jahre unentdeckt bleiben. Da Blutuntersuchungen (BARF-Profile) immer nur eine Momentaufnahme darstellen und die meisten der erhobenen Parameter nicht oder nur unzureichend mit der Nährstoffzufuhr korrelieren, dürfen unauffällige Ergebnisse nicht mit einer adäquaten Versorgung gleichgesetzt werden. Als Beispiel sei der Calcium-Phosphat-Haushalt genannt, der auch bei dauerhafter Fehlversorgung hormonell in sehr engen Grenzen reguliert wird, so dass auch bei bereits bestehender schwerwiegender klinischer Symptomatik (z.B. Osteolysen) diese Parameter im Blut innerhalb der Referenzbereiche gehalten werden können. Die Beurteilung der Vitamin A, Kupfer- und Zink-Versorgung stellt ebenfalls eine Herausforderung dar, da diese hauptsächlich innerhalb von Geweben (Leber bzw. Knochen) gespeichert werden. Somit liefert deren Bestimmung aus dem Blut keine verlässliche Information. Repräsentativ ist jedoch die Analyse von Vitamin D, Jod und T4 aus Serum. Unauffällige Blutergebnisse können niemals die fachgerechte Rationsanalyse ersetzen; veränderte Blut-Parameter sollten als Konsequenz eine aktuelle Überprüfung der Nahrungszusammensetzung nach sich ziehen. Die Rationsberechnung wird von veterinärmedizinischen Ernährungsexpert*innen nach wie vor als Goldstandard angesehen. Aus diesem Grund hat sich Biocontrol gegen die Erstellung eines BARF-Profils entschieden. Die Bestimmung ausgewählter Einzelparameter ist jedoch möglich; hierzu beraten wir Sie gerne.

Fazit

BARF ist eine alternative und zunehmend beliebte Ernährungsoption für Hunde und Katzen. Vor- und Nachteile dieser Fütterungsart sollten für jeden Fall individuell abgewogen und bestehende Risiken bedacht werden. Zur parasitologischen Prävention bei gebarften Tieren verweisen wir auf die aktuellen ESCCAP Guidelines. Unverzichtbar ist die Rationsanalyse, da eine Blutuntersuchung keine adäquate Alternative darstellt.

 

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